Als Ergänzung zu meinem Beitrag „Ein Jahr dynamischer Stromtarif“ möchte ich hier ein Update zu den Strompreisen im Jänner 2025 geben. Wie viele bereits bemerkt haben, sind die Preise am Spotmarkt in diesem Monat deutlich gestiegen. In diesem Artikel analysiere ich die Ursachen dieser Preisentwicklung und vergleiche sie mit dem Jänner des Vorjahres.
Als Datengrundlage dient die Plattform Energy-Charts.info des Fraunhofer ISE, die ihre Daten unter anderem aus der ENTSO-E Transparenzplattform sowie der Strombörse EPEX Spot bezieht.
Analyse des Aufbringungsmixes und Einflussfaktoren auf den Strompreis
Die Zusammensetzung des Strompreises ist komplex, doch lassen sich durch eine detaillierte Analyse wesentliche Zusammenhänge erkennen. Ein besonders hilfreiches Werkzeug zur Untersuchung dieser Korrelationen ist eine Korrelationsmatrix. Sie zeigt, inwieweit verschiedene Parameter miteinander in Beziehung stehen. Allerdings ist Vorsicht bei der Interpretation geboten – Korrelation bedeutet nicht zwangsläufig Kausalität.
Korrelation zwischen Stromerzeugung und Strompreis

Datenquelle: energy-charts.info
Ein kurzer Exkurs zur Korrelation: Sie gibt an, wie stark zwei Werte miteinander verknüpft sind. Die Skala reicht von -1 (starke negative Korrelation) über 0 (kein Zusammenhang) bis +1 (starke positive Korrelation).
Da dieser Artikel den Strompreis untersucht, liegt der Fokus insbesondere auf der untersten Zeile der Korrelationsmatrix – der Day-Ahead-Auktion.
Einfluss verschiedener Erzeugungsarten auf den Börsenstrompreis:
- Dämpfende Wirkung auf den Strompreis (negative Korrelation):
- Laufwasserkraft (-0.2)
- Windkraft (-0.1)
- Photovoltaik (-0.4)
- Preissteigernde Wirkung (positive Korrelation):
- Gaskraftwerke (+0.5)
- Pumpspeicherkraftwerke (+0.5)
- Speicherwasserkraftwerke (+0.3)
- Stromimporte (+0.1)
Diese Ergebnisse sind nicht überraschend, bestätigen jedoch mathematisch eine bekannte Marktdynamik: Je höher der Anteil erneuerbarer Energien, desto günstiger der Strompreis. Umgekehrt steigen die Preise, wenn verstärkt auf flexible, aber teurere fossile Erzeugung und grenzüberschreitenden Stromhandel zurückgegriffen werden muss.
Ein wichtiger zusätzlicher Faktor ist die Nachfrageseite. Wie in jeder marktwirtschaftlichen Struktur steigt der Preis mit zunehmender Nachfrage. Die kalten Tage in der ersten Jännerhälfte führten zu einem moderaten Anstieg des Stromverbrauchs. Allerdings war die Last im Vergleich zum Jänner des Vorjahres weitgehend stabil.
Jänner 2025 im Vergleich zum Vorjahr: Was hat sich verändert?
Erneuerbare Erzeugung unterdurchschnittlich
Typischerweise ist die Wasserkrafterzeugung in den Wintermonaten niedriger als im Frühjahr und Sommer. Dieser Winter war jedoch außergewöhnlich trocken, mit wenig Niederschlag und entsprechend niedriger Wasserführung der Flüsse.
Auch die Windkraft, die in den Wintermonaten normalerweise eine tragende Rolle spielt, blieb unter den Erwartungen. Zwar gab es einige Tage mit hoher Windleistung, diese Phasen waren jedoch vergleichsweise kurz.
Wichtige Veränderungen im Erzeugungsmix (Jänner 2025 vs. Jänner 2024):

- Wasserkrafterzeugung: -43%
- Windkraft: -39%
- Mehr fossile Erzeugung: +22%
- Erhöhter Importanteil: 20 % der gesamten Aufbringung
Importe als wirtschaftlich sinnvoller Ersatz
Das Defizit an erneuerbarer Erzeugung wurde hauptsächlich durch zwei Faktoren ausgeglichen:
- Erhöhte Stromimporte:
- Vor allem zu windreichen Zeiten wurde überschüssiger Strom aus Deutschland importiert.
- Auch aus Tschechien und der Schweiz kamen verstärkt Strommengen.
- Die hohe Importquote bedeutet nicht zwingend fehlende Kapazität im Inland, sondern zeigt, dass Importe wirtschaftlich sinnvoller waren.
- Erhöhte Gaskraftwerksnutzung:
- In Zeiten geringer erneuerbarer Einspeisung mussten fossile Kraftwerke einspringen, was den Preis zusätzlich nach oben trieb.
Preisniveau im Jänner 2025

Durchschnittliche Strompreise (Spotmarkt & dynamischer Tarif)
Preisniveau | EPEX Spot | Smart Energy (inkl. Steuer und Abgabe) |
---|---|---|
Arithmetischer Mittelwert | 133 €/MWh | 17,6 ct/kWh |
Gewichtung mit eigenem Verbrauch | 127 €/MWh | 16,7 ct/kWh |
Damit ist der Jänner 2025 einer der bisher teuersten Monate auf Arbeitspreisebene. Dennoch ist davon auszugehen, dass sich die Preise in den kommenden Monaten entspannen werden, da:
- Die die Solarproduktion zunimmt.
- Die Nachfrage mit steigenden Temperaturen sinken wird.
Fazit
Der Strompreis im Jänner 2025 wurde maßgeblich durch zwei Faktoren beeinflusst:
- Erneuerbare Engpässe durch niedrige Wasserführung und schwache Windphasen.
- Verstärkte Abhängigkeit von fossiler Erzeugung und Stromimporten.
Während erneuerbare Energien nachweislich preisdämpfend wirken, zeigen die aktuellen Entwicklungen erneut, dass fehlende erneuerbare Kapazitäten teuer kompensiert werden müssen – sei es durch fossile Kraftwerke oder durch Stromimporte.
Langfristige Lösung: Ausbau von Flexibilitäten und erneuerbarer Erzeugung
Um solche Preisspitzen künftig zu vermeiden, braucht es eine verstärkte Integration von Speichertechnologien, Lastmanagement und eine konsequente Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien. Denn je höher der Anteil von Wind- und PV-Strom im System, desto niedriger und stabiler werden langfristig die Strompreise bleiben.
Euer Michael