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1 Jahr dynamischer Stromtarif – eine Analyse

Die Strompreise steigen, doch wir Technikbegeisterten haben Wissen zu PV-Anlagen, Speicher und flexiblen Tarifen. Auch in kleinen Haushalten und Wohnungen lassen sich erhebliche Einsparungen erzielen. Lass uns die vier Szenarien unter die Lupe nehmen: ohne PV, mit PV, mit Speicher und mit intelligentem Netzladen.

Rahmenbedingungen

Für die Analyse wurde ein mittlerer Stromverbrauch (~1900 kWh/Jahr) in einer Wohnung betrachtet. Zum Einsatz kamen:

  • Balkonkraftwerke: Drei Anlagen mit jeweils maximal 360 W, zwei nach Süden, eine nach Westen ausgerichtet. Durch die unterschiedliche Ausrichtung wird die Leistungsspitze von 800 W nicht überschritten.
  • Batteriespeicher: AC-gekoppelt mit 2,4 kWh brutto (2,2 kWh netto).
  • Energiemanager: Ein selbstgebautes System zur Steuerung der Energieflüsse.

Die Berechnungen basieren auf stündlichen Messdaten: Netzbezug, Netzeinspeisung, Speicherladung, Speicherentladung und Solarproduktion. Verluste durch den Speicher wurden mit einem Roundtrip-Wirkungsgrad von 75–80 % berücksichtigt. Alle genannten Zahlen basieren auf konkreten Messungen des 4. Szenarios und wurden entsprechend auf die anderen Szenarien zurückgerechnet.

Szenarien und Ergebnisse

SzenarioNetzbezugRel. Gesamtkosten
Fix Tarif
Gesamtkosten
Var Tarif
ohne PV100 %100 %81 %
mit PV63 %63 %55 %
mit Speicher48 %48 %42 %
+ Netzladen51 %39 %
Auswirkung der Szenarien auf die unterschiedlichen Tarife. Angaben in % vom Basis-Szenario bzw. Fixtarif.

Die Szenarien im Detail

  1. Ohne PV: Reiner Netzbezug
  2. Mit PV: Nutzung der Balkonkraftwerke, aber ohne Speicher
  3. Mit Speicher: Speichern der Überschüsse
  4. Mit Netzladen: zusätzlich marktgesteuertes Laden

Betrachtete Tarife

Energietarif

Die marktverzerrende Wirkung der Strompreispbremse, die im gesamten Kalenderjahr 2024 noch wirksam war, hat dafür gesorgt, dass die fixen Energietarife künstlich von den Lieferanten hochgehalten wurden. Deshalb wurde für einen Vergleich ein fairer Tarif mit 15 ct/kWh angenommen, um den Effekt ohne Strompreisbremse zu verdeutlichen. Andernfalls hätte der Vergleich keine Aussage, da ich ohnehin nur max. 10 ct/kWh hätte zahlen müssen.

  • Fixer Tarif mit Kosten von 15 ct/kWh (inkl. MWSt)
  • Variabler Tarif von Smart Energy, entspricht EPEX Spot + MWSt + 1.44ct/kWh

Netztarif

  • Stromnetz Graz: 5.73ct/kWh Netzentgelt + 1.108 ct/kWh Netzverlustentgelt + MWSt

Es wurden nur jeweils die variablen Kosten pro kWh berücksichtigt! Fixe Grundgebühren wurden nicht in die Berechnung mit aufgenommen, da diese immer Anfallen.

Fixer Energietarif


Beim fixen Tarif sinken die Kosten durch die Eigenerzeugung um etwa 150 € pro Jahr. Das bedeutet, dass sich die Anschaffungskosten von ca. 750 € für die PV-Anlagen innerhalb von fünf Jahren amortisieren. Der Batteriespeicher bringt im fixen Tarif jedoch nur eine Einsparung von 60 € jährlich und rechtfertigt die Investition nicht aus wirtschaftlicher Sicht.

Variabler Energietarif

Variable Energietarife sind seit wenigen Jahren verfügbar und seit heuer (2025) müssen alle größeren Lieferenten auch Tarifmodelle anbieten, die sich an der Strombörse orientieren. Das soll dazu dienen, Verbraucher zu flexiblem Stromkonsum zu bringen, und somit stärker an die Erzeugung zu richten. Ich habe einen Tarif von Smart Energy (einem Tochterunternehmen der Energie Steiermark), welcher mit relativ geringen Zusatzgebühren sowie Grundgebühr punktet.

Der Energietarif (effektiv inkl. Abwicklungsgebühr und Steuern) pro Tag gewichtet auf die tatsächliche Nutzung am Tag. Erkennbar sind die wöchentlichen Zyklen, vor allem in Q2 und Q3.
Das Ganze dargestellt je Monat. Dabei ist ein ausgeprägter saisonaler Effekt erkennbar, das Minimum lag bei 3,9 ct/kWh für den Mai.

In meinem Fall lag der gewichtete Jahrespreis bei 9,6 ct/kWh, was die Effektivität dieser Tarife unterstreicht – ganz ohne Strompreisbremse.

Auswirkungen auf die Gesamtkosten

Durch die generell niedrigeren Preise an der Börse, vor allem im ersten Halbjahr 2024, liegen die Kosten schon im Basis-Szenario ca. 80 € unter dem Fixtarif. Eine weitere Einsparung ist auch hier mit dem Speicher möglich. Besonders interessant ist das Potenzial, den Netzbezug gezielt in Niedrigpreiszeiten zu verschieben. Der Speicher ermöglichte zusätzliche Einsparungen, jedoch fiel der Effekt aufgrund der kleinen Speicherkapazität und des vergleichsweise geringen Wirkungsgrads mit nur 10 € jährlich relativ gering aus.

Erkenntnisse und Empfehlungen

PV-Anlagen lohnen sich fast immer

Balkonkraftwerke mit einer sonnigen Ausrichtung amortisieren sich in wenigen Jahren und sind eine lohnende Investition. Der Eigenverbrauch senkt die Stromkosten erheblich, insbesondere bei steigenden Netzpreisen.

Batteriespeicher: Eine Frage der Dimensionierung

Kleine Speicher wie der getestete (bis 5 kWh) haben noch zu hohe spezifische Kosten, um sich schnell zu amortisieren. Ihr Mehrwert liegt weniger in der Kostensenkung, sondern in der Möglichkeit, den Eigenverbrauch zu maximieren oder flexible Tarife optimal zu nutzen.

Flexible Tarife: Für wen lohnen sie sich?

Variable Tarife sind ideal für Haushalte mit einem flexiblen Verbrauchsverhalten oder automatisierten Energiemanagern. Oder aber wenn das Verbrauchsmaximum in den Sommermonaten liegt (z.B. durch Klimaanlagen, Poolanlagen usw.) ermöglichen sie bei geschickter Nutzung spürbare Einsparungen.

Schlussbetrachtung

Bei unserem Haushalt konnten wir durch diverse Maßnahmen die Kosten für den Strombezug deutlich reduzieren. Der Einsatz von Variablen Netztarifen kann bei geeigneter Nutzung zusätzlich beim Sparen helfen. Die „Königsdisziplin“ des marktorientierten Einsatzes des Speichers benötigt einiges an Feintuning und Anpassung an die eigenen Bedürfnisse für überschaubare Effekte. Aber im Jahr 2024 konnte ich gegenüber reinen Netzbezugs mit fixem Energietarif die Kosten um 60% senken, wobei der größte Anteil durch die Eigenerzeugung kommt, und das bei günstigen Anschaffungskosten.

Für mich bleibt klar: Die Kombination aus Eigenerzeugung, intelligenter Steuerung und flexiblen Tarifen ist der Schlüssel zu niedrigeren Stromkosten und mehr Unabhängigkeit. Wer sich früh mit dieser Technik auseinandersetzt, kann langfristig profitieren – und gleichzeitig einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.

Euer Michael

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